AuTierheilzentrum Verena Böer

Artgerechte Pferdefütterung


Magengeschwüre, Koliken, Durchfall, Kotwasser. Krankheiten, die heute immer häufiger auftreten. Wie konnte es dazu kommen? Es gibt sicher mehrere Ursachen. Eine ist unsere Rastlosigkeit, unsere Hektik. Alles muss schnell gehen, auch die Fütterung.

Der Verdauungstrakt des Pferdes ist, wie beim Wiederkäuer auf die Verwertung von pflanzlichem Futter ausgerichtet. Er ist 30 Meter lang und extrem fein gefältelt, wodurch er eine riesige Oberfläche bekommt, die dicht besiedelt ist mit hundert Billionen Bakterien und anderen Lebewesen, wie Pilzen, Einzellern und Würmern. Die überwiegende mikrobielle Tätigkeit vollzieht sich in den voluminösen Darmbereichen des Blind- und Grimmdarms (Dickdarm). Mindestens 350 Arten von Bakterien helfen, die Nahrung aufzuschließen.

Wichtig ist eine gute Zerkleinerung der Nahrung, da die Rohfaser den Dünndarmbereich passieren muss, bevor die Rohfaserverdauung im Blinddarm (Dickdarm) statt finden kann. Durch die ausgeprägte Kautätigkeit, wird der Speichelfluss angeregt. Dieser durchfeuchtet den Futterbrei und reguliert zudem den pH-Wert im Magen. Pferde haben einen relativ kleinen Magen, der ständig Magensäure bildet und somit bei zu langen Fresspausen (von mehr als 4 Stunden) zu einer Übersäuerung des Magens führen kann. Folgen der angegriffenen Magenschleimhaut können Magengeschwüre sein.
Der beim Fressen gebildete Speichel ist Voraussetzung für eine gute Verdauung und für die Magengesundheit. Es werden rund 4 Liter Speichel bei der Aufnahme von 1 kg Heu gebildet. Dagegen wird nur 1 Liter Speichel bei der Aufnahme von Kraftfutter gebildet. Es ist sehr wichtig, genügend hochwertiges Heu anstatt massenhaft Körner zu füttern. Zudem ist das Kauen von Heu ideal, um Pferde stundenlang zu beschäftigen. Des Weiteren wird bei dauerhaftem Rohfasermangel der Elektrolyt- und Energiehaushalt geschwächt und somit der gesamte Stoffwechsel, wodurch Pferde anfälliger für Erkrankungen sind.

Wie müsste das natürliche Futter unserer Pferde aussehen?

Am besten gemischt, von allem etwas. Das heißt: Äste (Rinden, Blätter, Knospen, Blüten), Sträucher, Gräser, Kräuter, Früchte, Samen, Knollen und Wurzeln.


Heu ist die Grundlage der Pferdefütterung!

Wichtig ist allerdings eine gute Qualität, aber wie erkennen ich diese?

- man erkennt es an der frischen grünen Farbe und dem aromatischen Duft
- riecht es brandig, gab es eine Überhitzung während der Trocknung!
- ideal ist ein Heu, das sich beim Anfassen rau anfühlt, relativ blattarm und stängelreich ist,
  da hier mit einem geringeren Eiweiß- und hohem Rohfaser- und Strukturanteil zu rechnen ist
- zu weiches Heu ist meist zu blattreich und birgt zu viel Eiweiß und nicht genügend Rohfaser
- sperriges, zu stängeliges Heu ist zu spät gemäht und kann unter Umständen 
  Blinddarmverstopfungen hervorrufen durch die schlechtere Verdaulichkeit
- es muss frei von Verunreinigungen, wie Erde, Mist, Plastikabfällen und vor allem
  Schimmelpilzen sein

Heu des späten ersten Schnittes, das Mitte der Blüte geerntet wird, ist das Beste für Pferde. Die Rohfaserstruktur ist ideal für die Kautätigkeit und für die Gärung im Dickdarm, die pflanzlichen Bestandteile bzw. energie- und eiweißhaltigen Nährstoffe sind nicht mehr ganz so reichhaltig.

Heumenge pro Tag: 1,5 - 2 % des Körpergewichtes des Pferdes


Braucht ein Pferd Körner & Co.?
      
Die „hochwertigen" Futter (Kraftfutter, Müsli, Rüben etc.), die eiweiß-, stärke- und zuckerhaltigen, sollte es nur dann geben, wenn man deutlich mehr Leistung von seinem Pferd fordert. Dann haben sie einen Sinn und sind dann auch nötig. Allerdings sollte die Fütterung von Kraftfutter gut hinterfragt werden, da diese gerade bei einigen Stoffwechselerkrankungen der Krankheitsauslöser sein können.
Ungequetschter Hafer kann auch die Futteraufnahme zeitlich strecken. Streuen Sie die Körner auf den Boden oder legen Sie größere Kieselsteine in den Futtertrog. Das Pferd muss Korn für Korn aufsammeln bzw. heraus sortieren und kann diese intensiv zerkauen.

Zusammenfassung & Praxistipps:

- Optimierung des täglichen Futterangebotes durch Kräuter, Knospen, Blüten, Früchten,
  Wurzeln, Samen, Rinden und Blätter
- durch diese Vielfalt wird der Artenreichtum der Darmflora gefördert und das Immunsystem
  gestärkt
- eine artgerechte Ernährung sorgt für vitale und leistungsfähige Pferde
- mind. 3 Heumahlzeiten pro Tag und zur Nacht die größte Heumenge anbieten.

- stets zuerst Heu vor dem Krippenfutter füttern (Pferde sollten mind. 15 Minuten Heu
  fressen können bevor das Krippenfutter gegeben wird), so wird der Verdauungsvorgang
  optimiert und Verdauungsprobleme wie Koliken, Magengeschwüre etc. vorgebeugt. 

- Pferde nicht zulange ohne Nahrung lassen (tagsüber nicht länger als 4 Stunden), denn der
  Verdauungsapparat des Pferdes ist auf eine ständige Nahrungszufuhr angewiesen.

Weiter Informationen finden Sie unter:

www.pernaturam.eu

www.artgerecht-tier.de

 

 

 

Pferdeernährung

 

Pferdeernährung artgerecht